Die Wildbienen


Was ist der Unterschied zwischen Wildbiene und Honigbiene?

Die Honigbiene war früher wild, bis sie vom Menschen domestiziert und zu einem Hochleistungstier gezüchtet wurde. Ziel der Imkerei ist es, am Ende des Jahres möglichst viel Honig zu erhalten. Natürlich tragen diese Bienenvölker einen enormen Beitrag zur Bestäubung unserer Obst-, Gemüse- und Zierpflanzen bei. Jedoch ist es wie bei vielen gezüchteten Massenkulturen: Je mehr Tiere sich auf engem Raum befinden, desto höher ist die Anfälligkeit für Schädlinge und Krankheiten. Das ist zurzeit bei vielen Bienenstöcken zu beobachten. Ein gefürchteter Bekannter unter den Schädlingen ist die Varroamilbe, die ganze Bienenvölker ausrotten kann. Je stärker diese Milben bekämpft werden, desto robuster werden sie. Dennoch ist die Honigbiene nicht vom Aussterben bedroht. Sie kann auf einfache Weise gezüchtet werden. Von daher möchten wir den Blick auf die wilden Verwandten der Honigbiene lenken. Die gefährdeten Wildbienen.

Wildbienen leben überwiegend einzelgängerisch und nicht in einem Bienenvolk. Für die Eiablage nutzen sie zum Beispiel verlassene Käferfraßgänge in totem Holz, Hohle Pflanzenstängel, oder sie graben Nisttunnel in den Boden. In Deutschland leben rund 550 Wildbienenarten. Die Ansprüche an ihren jeweiligen Lebensraum können zwischen den verschiedenen Tieren stark variieren. Auch die Nahrung der Wildbienen ist sehr divers. Zu unterscheiden sind polylektische und oligolektische Arten. Polylektische Arten sind sozusagen Allesfresser. Sie nutzen die Pollen von diversen Blüten, um ihre Brut zu versorgen. Oligolektische Bienen hingegen nutzen Pollen von bestimmten Pflanzen. Es gibt zum Beispiel Wildbienen, die ausschließlich Pollen von Glockenblumen sammeln.

 

AKTIONGRUEN setzt sich für den Erhalt und die Schaffung von Lebensräumen für die Wildbienen ein! 

Das wichtigste Argument für die Unterstützung der Wildbienen ist, dass eine artenreiche Bienenfauna für das ökologische Gleichgewicht und eine große Biodiversität unverzichtbar ist. Wo durch den Menschen Lebensräume verschwinden, muss deshalb an anderer Stelle ein Ausgleich geschaffen werden.

 

Der Vorteil der Wildbienen

 

Aufgrund der solitären Lebensweise der Wildbienen kommt es im Vergleich zu den völkerbildenden Honigbienen zu geringeren Todesraten durch Pilz- oder Parasitenbefall. Zudem fliegen manche Wildbienenarten auch schon bei geringen Temperaturen oder schlechten Witterungsverhältnissen, bei denen die Honigbiene nicht mal aus dem Fenster schaut. So werden Gemüse und Obst auch zuverlässig bestäubt, wenn es im Frühjahr noch mal kalt oder nass ist. Für unsere Obstblüte in den Frühlingsmonaten ist das ein riesiger Vorteil. Wildbienen sind anatomisch spezialisiert auf viele Wildkräuter und Pflanzen, deren Nektarkelche von der Honigbiene nicht erreicht werden können. Gäbe es nur die Honigbiene, gäbe es auch viel weniger Artenvielfalt unter den Pflanzen. Wildbienen beherrschen ausgeklügelte Techniken, wie etwa das Vibrationssammeln. Hierbei wird der Pollen regelrecht aus der Blüte herausgeschüttelt.

 

Wildbienen, und dazu zählen auch die Hummeln, sind für den Menschen übrigens völlig ungefährlich. Einige Wildbienen können zwar stechen, bis sie das aber tatsächlich tun, muss ihre Reizbarkeit schon stark gefördert werden. Wer Wildbienen beobachten möchte, kann das also ganz in Ruhe tun, ohne zu befürchten gestochen zu werden.


Wo leben die Wildbienen?

Unscheinbare Löcher in Boden und Totholz – eine Brutstätte für Wildbienen

 

Die meisten der über 550 Wildbienenarten in Deutschland nisten im Boden und benötigen hierfür wenig bewachsene Flächen, wie zum Beispiel Abbruchkanten und Böschungen. Durch die zunehmenden Eingriffe des Menschen in die Natur gehen solche Lebensräume immer weiter verloren.

Weitere Lebensräume der Wildbienen sind Mauerritzen, verlassene Schneckenhäuser oder hohle Stängel von abgestorbenen Pflanzen. Ein kleiner Teil der Wildbienen und auch einige Arten der solitär lebenden Wespen nutzen verlassene Käferfraßgänge in Totholz für die Eiablage. Einige dieser Nisträume können vom Menschen hervorragend imitiert werden.

 

Dazu schauen wir uns als erstes die natürliche Umgebung der im Holz nistenden Wildbienen an. Ein Blick in einen naturbelassenen Wald, der unaufgeräumt weitestgehend sich selbst überlassen wird, bietet vielen Tieren einen Lebensraum. Einige Käfer legen ihre Eier in Totholz ab. Die geschlüpften Larven fressen sich einen Weg vom Inneren nach draußen. Diese Fraßgänge werden später von Wildbienen genutzt, die wiederum ihre Eier in diese Fraßgänge hineinlegen. 

 

Was können wir tun?

 

Wir können zum Beispiel solche Käferfraßgänge imitieren, indem wir uns ein dickes Stück Hartholz suchen und ein paar saubere Löcher quer zum Faserverlauf hineinbohren. Holz bietet natürliche Vorteile, die den Bewohnern zu Gute kommen. Es ist atmungsaktiv, feuchte- und temperaturregulierend und ein toller Wärmedämmstoff für die eisigen Winter. Deshalb sollten bei Bau von Nisthilfen keine künstlichen Materialien verwendet werden. Auch Pflanzenstängel oder Lehmsteilwände, die Abbruchkanten imitieren, können als Nisthilfe von uns angeboten werden.


Insektenhotels aus dem Handel

Leider ist eine häufige Beobachtung von uns, dass Insektenhotels und Nisthilfen aus dem Handel völlig unbrauchbar sind. Dabei ist es nicht nur die Qualität, die zu wünschen übriglässt (weiches Holz, oder Nadelholz), sondern auch die angebotenen Nistmaterialien. So finden wir häufig Kiefernzapfen, Laub oder auch Sägespäne in den Nistkästen, mit denen die röhrennistenden Wildbienen nichts anfangen können.

 

Viele Insekten sind beim Nisten nicht auf unsere Hilfe angewiesen. Wildbienen hingegen nehmen gut verarbeitete Nisthilfen gerne an. Daher ist ein umfangreiches Wissen um ihre Bedürfnisse wichtig, bevor eine Nisthilfe gebaut wird. Dabei ist es gar nicht so schwer. Imitationen der natürlichen Lebensräume sind das A und O einer guten Nisthilfe. Dazu zählen also vor allem hohle Pflanzenröhrchen, wie Schilfhalme, Bambusröhrchen oder Bohrungen in Hartholzklötze. In große Hohlräume oder Steinhaufen verirrt sich höchstens mal eine Spinne. Auch ausgefranste Nisteingänge sind ungeeignet, da die Tiere ihre Flügel beim Hineingehen verletzen könnten.

 

Wir sehen unsere Aufgabe vor allem darin, den Markt und die Verbraucher mit Wissen und hilfreichen Nisthilfen auszustatten.


Die Wildbienen Nisthilfe aus Holz

Eine Nisthilfe aus Holz für Wildbienen und solitär lebende Wespen kann einfach selbst hergestellt werden. Dabei sollten einige Punkte beachtet werden.

Was muss bei einer Nisthilfe aus Holz beachtet werden?

1. Die Holzart

Verwendet nur heimische Harthölzer wie Buche, Eiche oder Robinie. Dabei sollte das Holz ausreichend getrocknet sein, damit es zu keinen oder wenigen Schwundrissen kommt. Wie in der Natur auch, muss das Holz unbehandelt sein. Also kein Lack und kein Öl. Ein Regenschutz als Dach verlängert die Dauerhaftigkeit.

  

2. Die Bohrungen

Ihr könnt Stammholz oder aufgesägte Blöcke verwenden. Wichtig ist, dass ihr die Bohrungen nur ins Längsholz setzt, nicht ins Stirnholz, da das Holz auf natürliche Weise weiter trocknet und mit der Zeit Risse von innen nach außen entstehen. Wollt ihr eine große Zahl an verschiedenen Wildbienen ansprechen, bietet verschieden große Bohrungen an.

 

. Alles von 2 mm bis 10 mm ist möglich. Die Bohrtiefe sollte mindestens der Bohrerlänge entsprechen. Lasst ausreichend Abstand zwischen den Bohrungen. Auch hier ist wieder die Natur das Vorbild. Fraßgänge dicht an dicht sind dort nicht zu finden und führen zu unnötigem Stress bei den Wildbienen und Wespen.

 

3. Die Anbringung

Die Wildbiene im Wald darf nicht wählerisch sein, aber wenn sie es sich aussuchen könnte, hätte sie am liebsten Morgensonne. Optimal ist eine Süd-Ost Ausrichtung. Wählt eine solide Befestigung und achtet darauf, dass die Nisthilfe nicht schon bei kleinen Winden hin und her wackelt. 

Eine "ausgebuchte" Nisthilfe wird dort vorhanden sein, wo ganzjährig Pollen- und Nektarangebote zu finden sind. Blühende Bäume, Sträucher und Blumen sprechen viele Wildbienen an. Zwar ist die Hauptflugzeit in den Frühlingsmonaten, den Wildbienen kann jedoch das ganze Jahr über bei der Arbeit zugeschaut weden. Es ist nicht wichtig, ob wir die Nisthilfen im Garten, auf dem Balkon oder im Park anbringen. Die Hauptsache ist, dass Nistmöglichkeiten vorhanden sind.

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Nutzer, Parasiten und Räuber an deiner Nisthilfe

Welche Wildbienen und Wespenarten nisten an Deinem Insektenhotel?

Welche Arten an deiner Nisthilfe vorkommen, hängt zum einen vom Blühangebot in Deiner Umgebung ab und zum anderen von der Region, in der Du lebst. Je natürlicher die Umgebung und je zahlreicher die verschiedenen Blühpflanzen, desto umfangreicher ist auch das Artenvorkommen.

Wildbienen an deiner Nisthilfe

Ganz früh im Gartenjahr, in manchen Regionen bereits ab Ende Februar, lässt sich an so gut wie jeder Nisthilfe die Mauerbiene beobachten. Sowohl die Rostrote, als auch die Gehörnte Mauerbiene zählt zu den am häufigsten vorkommenden Arten und ist dabei auch eine der größten Wildbienen.

 

Den im Zusammenhang mit der Mauerbiene häufig gehörte Vorwurf, künstliche Nisthilfen wären nicht sinnvoll, weil damit ja nur nicht gefährdete Arten unterstützt werden würden, möchte ich nicht teilen. Wer eine satte Apfel- und Birnenernte im Herbst erwartet, bekommt diese nur, wenn die Mauerbiene etliche Male eine Blüte angeflogen hat. Und wir wollen ja nicht warten, bis auch diese Art zu den Gefährdeten gehört, bevor wir Sie unterstützen.

 

Außerdem sollte jede Nisthilfe verschiedene Lochdurchmesser anbieten, um auch kleineren Artgenossen eine Nistmöglichkeit anzubieten. Diese sind nämlich neben der häufig vorkommenden Mauerbiene eher seltene Gäste an der Nisthilfe.

 

Rostrote Mauerbienen besiedeln gerne 7-9 mm große Löcher.

 

Gehörnte Mauerbienen besiedeln gerne 5-8 mm große Löcher.

 

Ebenfalls eher groß, leider aber deutlich seltener sind die Blattschneiderbiene und die Pelzbiene (Flugzeit April – Juni).

 

Kleinere Vertreter, die gerne Lochdurchmesser zwischen 3 und 6 mm besiedeln, sind Maskenbienen, Scherenbienen und Löcherbienen. Diese Arten sind von April bis in den September hinein unterwegs.

Wespen und Parasiten an deiner Nisthilfe

Neben den Wildbienen gibt es auch viele verschiedene solitär lebende Wespenarten, die entweder selbst Hohlräume (Bohrungen, Röhrchen) besiedeln oder als Parasiten dort nach geeigneten Wirten suchen.

 

Diese Wespenarten sind allesamt für den Menschen ungefährlich!

 

Parasiten gehören zur Natur dazu und sollten nicht als ungewünscht abgestempelt werden. Der Begriff impliziert zwar das Unangenehme, jedoch sind auch die Parasiten ein Baustein im ökologischen System und haben dadurch ihre Daseinsberechtigung. Wird die Nisthilfe oder das Insektenhotel jedoch zu groß gewählt, nimmt auch die Anzahl der Parasiten ein nicht normales Verhältnis an.

 

Wespenarten an Deiner Nisthilfe sind zum Beispiel Falten-, Grab- und Lehmwespen.

 

Als parasitäre Wespen werden Schlupfwespen (mit langem Legebohrer), Erzwespen, Goldwespen und Keulenwespen gezählt. Weitere Parasiten sind Düsterbienen, Milben, Trauerschweber, Wollschweber, Taufliegen (kleine Öffnungen im Verschlussdeckel) und Buntkäfer.

Räuber an deiner Nisthilfe

Als Räuber lassen sich beispielsweise Spinnen bezeichnen, die vor einer Nisthilfe Ihre Fäden spinnen, um nichts ahnende Bewohner abzufangen. Der Naturliebhaber möchte jedes Lebewesen im Garten unterstützen, aber vielleicht nicht gerade an dieser Stelle. Spinnfäden sollten vorsichtig entfernt werden.

 

An manchen Nisthilfen lassen sich später im Jahr geöffnete Brutröhren beobachten. Die Vermutung, dass Wildbienen bereits geschlüpft sein könnten, trifft nicht zu. Hier könnte eine Meise versucht haben, an die leckeren Larven oder die bereits fertige Wildbiene im Kokon heranzukommen. Meistens bleibt es aber bei den Versuchen, denn der Meisenschnabel ist für Bohrungen in Hartholz zu kurz, um tatsächlich an die Brutkammern heran zu kommen.

 

Wenn Ihr allerdings eine Nisthilfe mit ungeschützten Röhrchen habt, können die Vögel diese natürlich herausziehen, weshalb dann ein Vogelschutzgitter installiert werden sollte.

 

Anders sieht es beim Besuch eines Spechtes aus, der mit seiner langen Zunge auch bis in die hinteren Brutkammern gelangen kann. Habt Ihr bereits beobachtet, dass ein Specht sein Unwesen treibt? Dann auf jeden Fall ein Schutzgitter anbringen.


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